Dass eine gut platzierte Exklusivmeldung mehr Erfolg zeigen kann, als seine Pressemitteilungen nach dem Gießkannenprinzip breit zu streuen, sollte ja eigentlich bekannt sein. In all meinen Interviews, die ich in letzter Zeit mit Journalisten, PR-Profis und Social-Media-Managern geführt habe, kam immer wieder zur Sprache, dass dieses Prinzip im Alltag nicht umgesetzt wird. Soll heißen, viele Journalisten bekommen über 100 Pressemitteilungen pro Tag und die meisten davon passen nicht zu ihrer Spezialisierung.
In unserem Interview mit Ines Pohl, Chefredakteurin der taz wird deutlich, dass Exklusivmeldungen das Wichtigste überhaupt für eine Tageszeitung sind. “Wenn ich etwas Exklusives habe, was Nachhaltiges, ist das aus meiner Perspektive ein Qualitätsmerkmal.” Das gilt nicht nur für Zeitungen, sondern ebenfalls für alle anderen Mediengattungen.
In unserer neuen Mediengattung Blogs in Zimpel Online, kam es nun bereits zu Beschwerden von Bloggern, die ihre E-Mail-Adresse nicht mehr bei uns veröffentlichen wollen, da sie so viele E-Mails erhalten mit Pressemitteilungen, die überhaupt nicht zu ihrem Themengebiet passen: So wurde kürzlich eine Pressemitteilung über ein Event der Modebranche an einen Politikblogger verschickt. Darf einem PR-Profi so etwas passieren?
Was erscheint Ihnen sinnvoll, wenn man sich mit Blogs und Bloggern beschäftigt: Alle Blogger mit der gleichen E-Mail anschreiben mit irgendeiner beliebigen Pressemitteilung? Oder lieber zwei oder drei Blogger persönlich kontaktieren und einen sinnvollen Themenvorschlag machen, der zum Blog passen könnte? Die Antwort können sie sich wahrscheinlich selbst geben. Im Interview mit Veit Mathauer, Geschäftsführer der Sympra GmbH wird deutlich, wann Blogger einen Artikel zu einem Thema schreiben: “Sie berichten, wenn sie das Thema so wichtig oder spannend finden, dass sie ihre Person damit identifizieren können. Sonst eben nicht. Punkt.”
Vorsicht beim massiven E-Mailen ist bei Bloggern noch viel mehr als bei anderen Journalisten geboten: Denn wenn ein Blogger genervt ist und negativ über sie schreibt, bleibt das für alle Zeit im Netz stehen. Google findet ja bekanntlich alles und das Netz vergisst nicht. Daher mein Appell an alle Pressesprecher und PR-Mitarbeiter: bitte machen Sie spezifische, kleinere Verteiler und senden Sie Ihre Pressemitteilungen nicht einfach an alle Kontakte, die Ihnen über den Weg laufen.
Zielgruppe im Visier der PR-Arbeit:
Darüber hinaus frage ich mich inzwischen, warum sich PR-Profis, die ihre Pressemitteilungen nach dem Gießkannenprinzip verteilen, eigentlich keine Gedanken über ihre Zielgruppe machen. Die Marketingabteilung der Unternehmen macht das doch vor: wo will ich landen, wen will ich ansprechen, wer sind meine Kunden?
Daher ist es eigentlich effektiver für ein Unternehmen, wenn ein Artikel über ein neues Produkt tatsächlich in einer Publikums- oder Fachzeitschrift, in einem passenden Kundenmagazin oder in einem Online-Medium oder Blog exklusiv erscheint. Stattdessen werden alle großen überregionalen Tageszeitungen mit allen Pressemitteilungen zugemüllt, ohne dass darüber nachgedacht wird.
Gerade bei großen Themen rät Chefredakteur Arno Makowsky von der Münchner Abendzeitung: “Das A und O der Pressearbeit ist nach wie vor die persönliche Kontaktpflege zu einzelnen Redakteuren. Da lohnt es sich, bei größeren Themen mit dem Redakteur oder der Redakteurin auch mal einen Kaffee trinken zu gehen, um das Thema ausführlich zu besprechen zu können.” Der persönliche Kontakt zwischen Journalisten / Bloggern und PR-Verantwortlichen ist immer am wertvollsten und durch nichts zu ersetzen. Mein Fazit: mehr auf Personal Relations im Bereich der Public Relations setzen.
Herzlichst
Ihre Stefanie Weyrauch
geschrieben von Stefanie WeyrauchPingback: Presseverteiler: Hilfe, ich will raus hier! | Das Textdepot
Interessierte Nachfrage: Nach welchen Kriterien nehmen Sie Blogger in den Zimpel auf? Viele sind ja keine Journalisten; insofern empfände ich es auf ersten Blick als schwierig, diese ungefragt in Adressverzeichnisse aufzunehmen – wobei diese Frage sicher eine rechtliche Seite hat und eine der Legitimität.
weil wir unseren journalistischen KollegInnen nicht auf den Zeiger gehen wollen, haben wir das PR-Prinzip umgedreht. Wir “sammeln” auf unserem Grünen Presseportal die grünen Informationen unserer Auftraggeber, schreiben einen wöchentlichen Newsletter mit den neuen Themen und die Journalisten kommen dann zu uns, wenns ihnen passt.
Lieber Herr Pleil,
bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen jetzt erst antworten kann.
Wir veröffentlichen Kontaktdaten von Bloggern nur mit deren Freigabe in Zimpel Online. Wir ordnen die Blogs thematisch ein, schreiben eine Kurzcharakteristik und nehmen Kontakt mit den Bloggern auf.
Vielen Dank für die Klarstellung, Frau Weyrauch! Ihren Aufruf halte ich für wichtig und richtig. Im Prinzip ist Ihre Empfehlung eine Selbstverständlichkeit, aber oft genug wird in der Praxis wohl nach dem (schädlichen) Motto “viel hilft viel” verfahren.
Pingback: Wenn schon Pressearbeit, dann gezielt | Viva Akquise
Pingback: Blogger Relations: Nicht wie ein Blumenverkäufer in der Kneipe « Das Textdepot